Die Wallfahrtskirche

Glis, als Wallfahrtsort, kann auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken. Bei Ausgrabungen, die 1984 in der Kirche durchgeführt wurden, fand man Spuren einer ländlichen Taufkapelle, aus der Frühzeit des Christentums im Wallis. Der wichtigste Bestandteil dieses Kirchenkomplexes, der in der Zeit um 615 herum errichtet wurde, ist ein rechteckiges Taufbecken, das achteckig ummantelt war. Eine zweite Anlage stellt eine erhebliche Reduktion des ersten Baus dar, doch blieb das Baptisterium erhalten. Um die Jahrtausendwende wurde eine Basilika errichtet, die beträchtliche Ausmasse aufwies. Die vierte Kirche, wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet, stellt wieder einen Neubau dar. Der folgende, in zwei deutlich getrennten Bauetappen errichtete Kirchenbau, wurde nicht zu Ende geführt. Heute erinnern noch die Goldene Pforte und die beiden Seitenkapellen von 1519 (Ulrich Ruffiner) an diesen Bau.
Am 1. September 1642 kam es zur Loslösung von Naters und zur eigenen Pfarreigründung. Von 1648 bis 1668 liess der Grosse Stockalper durch die Brüder Bodmer die mächtige, barocke Pfeilerbasilika errichten. Die offene Arkadenvorhalle wurde zwischen 1660 und 1670 dem Frühbarockschiff angefügt. In verschiedenen Etappen wurde die Kirche immer wieder renoviert, die letzte war die Innenrenovation des Kirchenschiffs 1994/95.
Verschiedene Stilepochen haben an der einzigartigen Kirche ihre Aussagen hinterlassen. Der Turm in Romanik, die Goldene Pforte, Seitenkapellen und Chor in Gotik, das dreischiffige Langhaus und das Portal in Renaissance bilden einen einmaligen Gesamteindruck.

Quelle: Schweizerische Gesellschaft für Kulturgüterschutz